Starke Stimmen

FÖV-Beirat unterstützt Nachhaltigkeitsziele der PPWR – Beiträge aus der Sitzung vom Juni

Kreislaufwirtschaft stärken und damit das Recyclingprinzip fördern – diese Maximen hat sich das Forum Ökologisch Verpacken (FÖV) bei seiner Gründung vor 13 Jahren auf die Fahnen geschrieben. Bei ihren Aktivitäten stützt sich die Initiative seit Beginn auf einen unabhängigen Expertenbeirat. Bei dessen jüngster Sitzung Mitte Juni stand entsprechend auch das aktuell dringliche Thema für Kreislaufwirtschaft auf der Tagesordnung: Die ab  12. August in Geltung t tretende EU Verpackungsverordnung Packaging & Packaging Waste Directive (PPWR). Wie große Teile der betroffenen Akteure aus der Wirtschaft (siehe Beitrag über die BAUM-Umfrage) begrüßen auch die FÖV-Beiräte die Ziele der PPWR, denn sie entsprechen in zentralen Punkten fast wortgleich den vor über einem Jahrzehnt formulierten Zielen des FÖV.

Wenn es allerdings um die konkrete Ausgestaltung der neuen Regeln und den Know-how-Aufbau in der Wirtschaft geht, sehen die Beiräte Handlungsbedarf. Michael Kuhndt, Executive Direktor des Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP), berichtet beispielsweise von großen Hürden, insbesondere für kleinere Unternehmen, die die im Rahmen der PPWR geforderten Berichtspflichten erfüllen müssen. Hinzu komme, so Kuhndt, dass mit der Einführung der Dokumentationspflichten für den Digitalen Produktpass (DPP) in der EU ab 2027 eine weitere Berichtspflicht auf die Unternehmen zukomme. Für KMUs gibt es aber unter anderem vom deutschen Bundeswirtschaftsministerium mehrere zentrale Unterstützungen zur Digitalisierung und zum Thema Daten, vor allem durch das Programm „Digital Jetzt” sowie durch das Netzwerk Mittelstand-Digital.

Dr. Fritz Flanderka, Geschäftsführer der Reclay Unternehmensgruppe, bestätigt den Befund, dass viele Unternehmen vom unterjährigen Inkrafttreten belastet und teilweise überfordert seien. Er sieht die Gefahr, dass Unkenntnis und Unsicherheit zu einer schwierigen Startphase der PPWR führen könnten. Es gelte ein mögliches „Chaos“ zu vermeiden. Auch Peter Feller, der als Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V. (BVE) eine der wichtigsten Branchen der verpackenden Industrie vertritt, sieht noch viel Unsicherheit bei den Unternehmen.  Vor allem die jeweilige Verantwortlichkeit für Verpackungen in der Lieferkette wirft noch Fragen auf. Dies gilt insbesondere für die Zuordnung der Erzeuger- und Herstellereigenschaft im Zusammenhang mit der Produktion von Handelsmarken. Davon hängt ab, wer für das Konformitätsbewertungsverfahren und die erweiterte Produktverantwortung, also die Entrichtung von Beteiligungsentgelten an die dualen Systemträger, verantwortlich ist. Sowohl die Zentrale Stelle Verpackungsregister als auch das Bundesumweltministerium und die EU-Kommission sehen dies betreffend die beauftragenden Handelshäuser in der Pflicht. Demgegenüber gehen einige Handelshäuser davon aus, diese Pflichten an ihre Auftragnehmer delegieren zu können.  

Einig war man sich in der Runde, dass die im FÖV versammelte Expertise einen Beitrag leisten kann, um den Unternehmen mehr Sicherheit im Umgang mit der PPWR zu geben. Ob Workshops, Auslegungshilfen oder Musterbeispiele für Konformitätserklärungen – das FÖV wird sich in den kommenden Monaten damit beschäftigen, welche Angebote den größten Nutzwert haben. Und so einen Beitrag zu mehr Kreislaufwirtschaft leisten können.