Was stört, muss raus
Untersuchungen zu Mikroplastik in den Prozessen der Papierindustrie
Sie treiben in Flüssen und Ozeanen. Sie verunreinigen Böden und Feldfrüchte. Und auch im Blutkreislauf von Menschen sind sie inzwischen zu finden. Kleinste Kunststoffpartikel – sogenanntes Mikroplastik – belasten die Umwelt in immer größerem Ausmaß. Als Hauptquellen gelten Reifenabrieb und synthetische Fasern sowie zerfallende Plastikprodukte und -abfälle – unter anderem auch Verpackungsmüll aus Kunststoff, der in die Umwelt gelangt ist. Eine Forschergruppe der Technischen Universität Darmstadt und der Hochschule Rhein-Main ist der Frage nachgegangen, inwieweit die Umweltbelastung durch Mikroplastik auch bei der Herstellung des Verpackungsrohstoffs Papier eine Rolle spielt. Titel der Arbeit: „Identifizierung von Mikroplastikeinträgen bei der Papierherstellung und Ableitung von Maßnahmen zur Reduzierung“.
„In den Oberflächengewässern, die Papierfabriken als Frischwasser nutzen, haben wir in einigen Fabriken mehr Plastikpartikel gefunden als in dem gereinigten Abwasser, das sie wieder abgeben. Diese Betriebe sind folglich ‚Mikroplastik-Senken‘“, sagt Prof. Samuel Schabel, der gemeinsam mit seiner Kollegin Antje Kersten das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Forschungsprojekt geleitet hat. Neben dem für die Papierherstellung benötigten Wasser kann auch Verschleiß beim Herstellungsprozess in Sieben, Filzen, Behältern oder Rohren für den Eintrag von Mikroplastik verantwortlich sein. Kunststoffbestandteile im Altpapier wie Beschichtungen, Lacke oder Klebstoffe sind weitere Eintragsquellen für die unerwünschten Kunststoffe, ebenso Kunststoffmaterialien in der Abwasserbehandlungsanlage selbst.
Abhilfe schafft moderne Abwasseraufbereitung. Neben Filtrations- und Flockungsverfahren sorgt insbesondere das sogenannte Belebtschlammverfahren in der biologischen Abwasserreinigung dafür, dass 99 Prozent der Mikroplastikpartikel und mehr abgeschieden werden und schließlich im Klärschlamm landen. Am Ende des Vorgangs steht in den meisten Papierfabriken die thermische Verwertung dieser Reststoffe. Das Mikroplastik wird mitverbrannt und kann sich damit nicht mehr in der Umwelt anreichern.
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