Im Guten trennen
Wie Verbraucher Wertstoffe aus Verpackungen erfassen
Die angestrebte Kreislaufwirtschaft baut auf Mitarbeit. Insbesondere Verbraucherinnen und Verbraucher haben durch ihr Abfalltrennverhalten großen Einfluss darauf, wie viel hochwertiges Rekyklat für die Herstellung neuer Verpackungen auf dem Markt ist. Das Umweltbundesamt beobachtet einen positiven Trend: So seien von den dualen Systemen 2023 im Vergleich zum Vorjahr mehr Verpackungen recycelt worden, heißt es in einer Pressemitteilung vom Beginn dieses Jahres. Insgesamt waren es 5,5 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle aus Haushalten, die recycelt bzw. stofflich verwertet werden konnten.
Ganz zufrieden ist man aber bei der Umweltbehörde nicht. Problematisch seien die fehlerhafte Vorsortierung und Mülltrennung durch Verbraucher. Die für die Wertstofferfassung zuständigen dualen Systeme melden denn auch eine unzureichende Qualität des Sammelgemischs, weil beispielsweise Kartoffelschalen oder Elektroschrott in der Gelben Tonne entsorgt werden. Außerdem landeten noch zu viele gut recycelbare Verpackungen im Restmüll und würden so dem Stoffkreislauf entzogen.
Dr. Fritz Flanderka, Geschäftsführer der Reclay Unternehmensgruppe und Beiratsmitglied im Forum Ökologisch Verpacken, bestätigt diesen Missstand: „Das Trennverhalten der Bürger hat sich über längere Zeit zunächst spürbar verschlechtert. Grund dafür ist der mit dem Wettbewerb eingezogene Stillstand in der Verbraucheraufklärung. Erst in den letzten Jahren haben die Systeme die finanziellen Mittel für die Kampagne ‚Mülltrennung wirkt‘ bereitgestellt. Seitdem verbessert sich auch wieder das Trennverhalten.“
Wie sorgfältig Verpackungen sortenrein getrennt werden, hängt laut Flanderka auch von der sozialen Struktur ab. In Gebieten mit einer Einfamilienhausbebauung finden die dualen Systeme nur zehn bis 20 Prozent falsch entsorgten Restmüll in der Gelben Tonne oder dem Gelben Sack. In Wohngebieten mit Mehrfamilienhäusern und Hochhausbebauung steigt dieser Wert auf bis zu 50 Prozent.
Die unzureichende Qualität der Wertstofferfassung führt Flanderka überwiegend auf Unkenntnis oder Falschinformationen über Recycling zurück. Wichtig sei deshalb ständige Verbraucheraufklärung auf allen gängigen Medienformaten. Eine besondere Bedeutung komme der Umweltbildung in Schulen und Kindergärten zu. All dies kostet Geld. Deshalb fordert Flanderka: „Die Politik kann Kommunikation für mehr und besseres Recycling fördern. Ein Teil des Umsatzes der dualen Systeme sollten zwingend für die Verbraucheraufklärung eingesetzt werden.“
Ein Beispiel für funktionierendes Recycling ist die Wertstofferfassung und -verwertung papierbasierter Verpackungen wie Wellpappe. Bei der Wertstofffraktion Papier, Pappe, Karton (PPK) werden laut UBA die gesetzlich vorgeschriebenen Recyclingquoten übererfüllt. Der Verband der Wellpappen-Industrie (VDW) trägt mit aktiver Verbraucheraufklärung seinen Teil dazu bei, dass Konsumenten gebrauchte Versandkartons flach zusammengelegt in die Altpapiertonne geben und so auf effiziente Weise dem Recycling zuführen. Dr. Oliver Wolfrum, FÖV-Generalbevollmächtigter und Geschäftsführer des VDW sagt: „Wir möchten, dass noch viel mehr Menschen bewusst wird: Der Recyclingkreislauf von Wellpappe ist eine Erfolgsgeschichte. Denn die enthaltenen Papierfasern lassen sich mehr als 20-mal recyceln und Wellpappe kann in Deutschland mit einer Recyclingquote von über 95 Prozent aufwarten“.
