Fitness-Check PPWR
FÖV-Roundtable in Wien beleuchtet Chancen und Risiken der EU-Verpackungsverordnung
Die Uhr tickt. Nur noch wenige Wochen, bis die neue EU Verpackungsverordnung Packaging & Packaging Waste Directive (PPWR) am 12. August in Kraft tritt. Entsprechend heiß laufen in den Unternehmen die Vorbereitungen, um mit der dann geltenden Rechtslage umzugehen. Wie gut aber ist die Wirtschaft auf die Erfüllung der damit verbundenen Pflichten vorbereitet? Orientierung versprach eine Informations- und Diskussionsveranstaltung, die das Forum Ökologisch Verpacken gemeinsam mit dem Partner Forum Wellpappe Austria Anfang Mai in Wien durchgeführt hat. Mit am Tisch saßen Vertreter der Wellpappenindustrie, verschiedener Institutionen und Verpackungsverwender aus Industrie und Handel
Weniger Verpackungsabfall, mehr Kreislaufwirtschaft, gleich hohe Umweltstandards in der EU: Wie sich die mit der PPWR verbundenen Ziele auf die betriebliche Praxis auswirken, hängt von vielen Faktoren ab, allen voran die eingesetzten Verpackungsmaterialien und ihre Recyclingfähigkeit. Hersteller und Nutzer von Wellpappenverpackungen entsprechen diesen Zielsetzungen, denn über 95 Prozent des eingesetzten Materials gehen nach Verwendung wieder in den Stoffkreislauf zurück.
Ab dem Stichtag im August sind für alle Verpackungen Konformitätserklärungen verpflichtend vorgeschrieben. So will der Gesetzgeber sicherstellen, dass die Ziele der PPWR wie beispielsweise die Einhaltung eines Mindestrecyklatanteils auch im Detail umgesetzt werden. In der Praxis kommt damit viel Arbeit auf die Unternehmen zu, wie Christoph Waldau, CEO von Berndt & Partner Creality, in einem einführenden Vortrag anschaulich machte. Besonders herausfordernd wird die Aufgabe, wenn viele unterschiedliche Verpackungsmaterialien und Verbunde im Einsatz sind. Waldau sieht in dem Zusammenhang aufgrund ihrer Recyclingfähigkeit Vorteile für Wellpappenhersteller: „Gerade dort, wo künftig strengere Anforderungen an Materialien oder Wiederverwendung gelten, kann Wellpappe ihre Stärken ausspielen.“
Dass die PPWR an allen Stellen der Lieferkette Auswirkungen haben wird, machte der Vortrag des Nachhaltigkeitsleiters der REWE Group in Österreich, Andreas Streit, deutlich. Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz, Kennzeichnungspflichten und Verpackungsreduktion rückten in den Fokus der Verpackungsstrategie. Streit wünscht sich verstärkten Austausch mit Partnern, um „gemeinsam pragmatische Lösungen zu entwickeln, die ökologisch sinnvoll und gleichzeitig wirtschaftlich umsetzbar sind.“
Ob Lieferant, Erzeuger, Hersteller, Vertreiber oder Importeur von Verpackungen – wer welche Rolle innerhalb der Lieferkette hat, ist nach Maßgabe der PPWR verantwortlich für die mit der Regulierung verbundenen Berichts-, Registrierungs- und Kennzeichnungspflichten. Und an diesem Punkt tut sich noch eine große Kenntnislücke auf. So berichtete Peter Feller, FÖV-Beirat und Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, von Ergebnissen einer Umfrage unter Unternehmen seiner Branche, wonach mehr als die Hälfte der KMU bei diesem Punkt noch keine Maßnahmen getroffen haben, die mit den damit einhergehenden Verantwortlichkeiten verbunden sind. Bei den Großunternehmen seien es noch über 20 Prozent.
Fazit der Veranstalter: Bis zum Inkrafttreten der PPWR sind noch einige Detailfragen zu klären. Informationsaustausch und Kooperation, wie sie beispielhaft der Roundtable in Wien ermöglicht hat, tragen dazu bei, damit das Zukunftsthema PPWR eine Erfolgsgeschichte wird.
Mehr zum Thema: https://www.wellpappe.at/wellpappe-im-ppwr-endspurt/
