Stoffkreisläufe schließen – Nachhaltiges Verpacken stärken

Ergebnisse eines BAUM Praxis-Talks in Kooperation mit dem FÖV

Recyklat-Lücke: Wenn es um Fortschritte bei Kreislaufwirtschaft geht, steht dieser Begriff bei vielen Unternehmen ganz oben auf der Liste der Herausforderungen. Das jedenfalls wurde bei einer online durchgeführten Gesprächsrunde im November deutlich. Gemeint ist die bestehende und weiter drohende Knappheit von Sekundärrohstoffen aus der verbrauchernahen Abfallsammlung (Post-Consumer-Rezyklate – PCR) für die Herstellung von Kunststoffverpackungen.

Eingeladen zu der Informations- und Diskussionsveranstaltung hatte der an ökologischem Management ausgerichtete Unternehmensverbund BAUM e. V. in Kooperation mit dem Forum Ökologisch Verpacken (FÖV). Im Vordergrund stand die Frage, wie Kreislaufwirtschaft unter den aktuellen gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen umzusetzen sei. Zentrale Rolle spielt dabei die neue europäische Verpackungsverordnung Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), die unter anderem einen Rezyklat-Mindestanteil von 35 Prozent in bestimmten Kunststoffverpackungen ab 2030 vorsieht. Hinzu kommen Kennzeichnungspflichten zu Materialeigenschaften der Verpackungen.

Die schwierige Marktlage bei Recyklat bekommen vor allem solche Unternehmen zu spüren, die ihre Produkte größtenteils in Kunststoff verpacken müssen wie etwa der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (P&G). Der Anbieter bekannter Marken wie Ariel, Head & Shoulders oder Pampers hat sich ambitionierte Ziele gesetzt, um Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Wie Dr. Katharina Marquardt, Director Government Relations and Public Policy bei P&G in ihrem Impulsreferat darstellte, will man alle Verbraucherverpackungen bis 2030 so gestalten, dass sie recycelt werden können oder wiederverwendbar sind. Recyklate kämen bereits in großem Umfang zum Einsatz. Allerdings stehe vor allem die Beschaffung der für viele Anwendungen technisch erforderlichen hochwertigen PCRs unter Druck, wenn ab 2030 alle Unternehmen die EU-weiten Quoten erfüllen müssten. 

Anders die Lage bei faserbasierten Verpackungen wie Wellpappe. In seinem Eingangsstatement konnte Dr. Oliver Wolfrum, Generalbevollmächtigter des FÖV, aufzeigen, dass der Stoffkreislauf in diesem Verpackungssektor schon weitgehend geschlossen ist. Verpackungen aus Wellpappe würden in Deutschland zu rund 80 Prozent aus Recyclingpapier hergestellt. Die Versorgung mit entsprechendem Rohstoff sei gesichert. 89 Prozent aller gebrauchten Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton (PPK) würden einer hochwertigen stofflichen Verwertung zugeführt.

Für den Bereich der Versandverpackungen aus Wellpappe konnten die in einem frühen Entwurf der PPWR ursprünglich vorgesehenen, starren Mehrwegquoten ausgeschlossen werden. Solche Vorgaben wären ökologisch und wirtschaftlich nachteilig gewesen und hätten dem Kreislaufcharakter des Materials widersprochen. Mit einer Recyclingquote von 95,3 Prozent übererfüllen Wellpappenverpackungen die entsprechenden Anforderungen. Wolfrum: „Wiederverwendung wie auch die hochwertige Wiederverwertung von Verpackungen sollten im Sinne des Umweltschutzes als komplementäre Lösungen anerkannt werden.“

Für mehr Kreislaufwirtschaft seien sauber getrennte Stoffströme wichtig, so die einhellige Meinung der Diskussionsteilnehmer. Was bei Wellpappe bereits gut funktioniert, müsse sich auch im Kunststoffbereich durchsetzen: Sortenreines Erfassen, Trennen und Aufbereiten von Wertstoffen für den Einsatz in der Verpackungsherstellung. Voraussetzung sei vermehrte Verbraucheraufklärung, um den hohen Anteil von Fehlwürfen in der Wertstoffsammlung zu reduzieren. Dazu gehöre auch, die Materialvielfalt bei Verpackungen zu reduzieren und wo technisch möglich auf Monomaterialien zu setzen.